Coronavirus – Boost für die Gaming-Industrie?

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Viele Wirtschaftszweige werden derzeit vom Coronavirus in die Knie gezwungen, während andere in ökonomischer Hinsicht von der Situation profitieren. Nicht nur die Hersteller von Toilettenpapier und Desinfektionsmittel kommen kaum mit der Produktion hinterher, auch jegliche Internet-basierten Services boomen, während Menschen auf der ganzen Welt angehalten werden möglichst daheim zu bleiben. Online-Shopping, Filme auf Netflix statt im Kino ansehen und natürlich auch der Zeitvertreib mit elektronischen Games oder klassischen Brettspielen ist nun eine verlockende Alternative. Welche langfristigen Auswirkungen die Situation auf die europäische Wirtschaft in Allgemeinen, insbesondere aber auch auf die Gaming-Industrie hat, ist eine interessante Frage.

Soziale Isolierung belebt Telearbeit und virtuelles Lernen


Firmen auf der ganzen Welt schließen derzeit ihre Büroräume und bieten den Angestellten Telearbeit an, wo immer dies möglich ist. Viele Länder schließen Schulen und Universitäten und legen den Schülern und Studenten das Lernen über Apps und Online-Programme ans Herz. Lebten wir bisher immer zurückgezogener, indem wir nach Geschäftsschluss von daheim aus über Social Media und Chats kommunizierten, erlebt der Trend nun einen weiteren Boost, seitdem „soziale Isolierung“ zum offiziellen Schlagwort zur Verhinderung der weiteren Virenverbreitung wurde. Die eigenen vier Wände werden für Menschen zum sicheren Hafen und Unterhaltung daheim wirkt attraktiver denn je, während sämtliche Großveranstaltungen wie Messen, Konferenzen und Sportereignisse abgesagt werden.


Rückschläge für die Gaming-Industrie


Profitiert die Gaming-Industrie also durchwegs von COVID-19? Ganz so eindeutig ist der Fall nicht, denn Fans elektronischer Spiele müssen gerade schmerzhaft den Ausfall ihrer liebsten Veranstaltungen hinnehmen. Die beliebte Electronic Gaming Expo, besser unter dem Namen E3 bekannt, die vom 9 bis 11. Juni in Los Angeles stattfinden, wurde bereits abgeblasen. Nun könnte auch das Aus für die Gamescom in Köln folgen, die weltweit als die größte Messe für Computer- und Videospiele gilt. Zwar ist sie erst für August angesetzt, doch der Messestandpunkt Kölnmesse ist bereits von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen: dort hätte nämlich im Februar die Internationale Eisenwarenmesse stattfinden sollen, die nun bereits verschoben wurde. Die finanziellen Auswirkungen für die Veranstalter wäre natürlichen ebenso groß wie die Enttäuschung von Ausstellern und Besuchern. Und ein weiterer negativer Trend für die Gaming-Industrie ist ersichtlich: Spiele mit Epidemie- oder Seuchencharakter werden derzeit aus den Regalen gezogen, China beispielsweise verbot das Pandemie-Strategiespiel Plague Inc. Komplett, um nicht weiter Panik zu schüren.

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Wie Gaming-Unternehmen profitieren


Doch natürlich zeichnen sich gerade in der Gaming-Branche auch positive Begleiterscheinungen ab. Videokonsolen, Smartphone- und Tablet-Apps sowie Computerspiele lassen das öffentliche Chaos vergessen und sorgen für Unterhaltung in risikofreier Umgebung. Während Bars und Restaurants und sogar Kinos deutliche Gästeeinbußen hinnehmen müssen, wird das Spielen daheim immer attraktiver. Warum seine Gesundheit in einer Spielbank riskieren, wenn auch daheim über Online-Anbieter gezockt und gewonnen werden kann? Während die großen, traditionellen Buchmacher wie William Hill mit dem allgemeinen Markt-Crash erhebliche Wettverluste ihrer Aktien hinnehmen mussten und zahlreiche Seiten zur Vorsicht hinsichtlich dem Aufsuchen von Wettbüros und Berühren von Bargeld raten, wird gleichzeitig der Vorteil von Internet-Spielen betont. Die neue, angesagte „Gamifizierung“ von Online-Casinos bietet dabei nicht nur Chancen auf lukrative Gewinne, sondern auch stundenlange Unterhaltung.

Die Absage von großen Sportevents und -turnieren macht auch Spiele wie FIFA oder NBA 2K besonders beliebt, zumal auch hier ganz ohne Corona-Ansteckungsgefahr mit dem Lieblingsteam mitgefiebert werden und online mit Freunden gespielt werden kann.

COVID-19 – wie Europas Regierungen Hilfe leisten

Dank Download-Option von Games kann also nach Herzenslust komplett ohne Viren-Risiko gespielt werden, zumindest im Hinblick auf Keimfreiheit. Online-Gaming könnte in den kommenden Monaten also tatsächlich eine Hochkonjunktur erleben, während andere wirtschaftliche Auswirkungen von COVID-19 eher wie ein gruseliges Zukunftsszenario aus einem Videospiel anmuten. Ladenschließungen, Jobverluste, der Einbruch der Tourismusbranche – all diese Begleiterscheinungen werden zur Realität. Die britische Notenbank setze infolge eines Notfallmeetings am 11.3. den Leitzins von 0,5 Prozentpunkten auf 0,25 herab, um das Vertrauen von Unternehmen und Konsumenten zu stärken, gleichzeitig plant man dort den Zugang zu Krediten zu erleichtern – nötig, wenn Verdienste ausbleiben und regelmäßig anfallende Kosten überbrückt werden müssen.

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Auch Italien handelte schnell und kündigte an die Hypothekenkredite für Privatpersonen auf Zeit zu suspendieren, um Kleinunternehmen und Familien die Möglichkeit zu bieten sich in den Zeiten der Krise frei zu nehmen. Dort steigt immer die Zahl der Todesopfer in Italien und das Land ist damit das am schlimmsten betroffene Land nach China. Die deutsche Regierung hingegen plant derzeit eine Neuregelung in Sachen Kurzzeitarbeit als Antwort auf die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus. Diese würde bestimmte Kriterien ausschließen, die normalerweise gegeben sein müssen, um Kurzzeittätigkeiten anzunehmen – wie beispielsweise, dass ein Drittel der Belegschaft von Arbeitsausfall betroffen sein muss, bevor Kurzzeitarbeiter eingestellt werden können. Zudem soll die Liquidität von Unternehmen durch steuerliche Maßnahmen verbessert und weitere Kredite zur Verfügung gestellt werden. Auch auf europäischer Ebene will man verstärkt zusammenarbeiten – die Bundesregierung begrüßte dabei den Vorschlag der Europäischen Kommission eine „Corona Response Initiative“ mit einem Volumen von 25 Milliarden Euro zu schaffen, die dabei helfen soll Europa vor einer massiven Finanzkrise zu schützen.

Wie groß die ökonomischen Auswirkungen von COVID-19 in Deutschland, aber auch in anderen Ländern sein werden, ist derzeit noch nicht klar ersichtlich, zumal noch nicht abgesehen werden kann, wie lange die Krisensituation anhält. Fest steht, dass nicht nur Einbußen zu erwarten sind, sondern viele technologische Unternehmen und E-Commerce-Anbieter von der Situation profitieren werden. Sinkt allerdings die Kaufkraft in Europa durch Jobverluste und Arbeitsausfälle drastisch ab, wird natürlich auch in diesen Bereich gespart werden.  

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